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Spezielle Aktionen und Veranstaltungen

Zum Schulleben gehören auch einige spezielle Aktionen und Veranstaltungen, die im Rahmen des Unterrichts und auch außerhalb stattfinden.

Exemplarische Auswahl

Am 11. März 2020 machten sich einige aufgeregte und begeisterte Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 7 bis 10 mit dem Bus nach Stuttgart auf, um sich dort im Stage Palladium Theater das Musical „Ghost - Nachricht von Sam“ anzusehen.

Die Vorfreude begann schon auf der Hinfahrt. Mit lauter Musik und Party-Feeling stimmten wir uns auf das Kommende ein. Bei unserer Ankunft im SI-Zentrum wurden wir freundlich empfangen. Da noch genügend Zeit bis zum Beginn war, konnten wir noch Snacks und Getränke kaufen. So bereiteten wir uns bestens auf einen unvergesslichen Abend vor.

Das Musical „Ghost - Nachricht von Sam“ präsentierte uns die leidenschaftlichen Emotionen des Liebespaares Sam und Molly und ihre traurige und gespenstische Liebesgeschichte, die durch einen tragischen Vorfall aus der Bahn gerät. Gekonntes Schauspiel, virtuoser Gesang und beeindruckender Tanz prägten die großartige Vorstellung. Bis zum Ende des Musicals fieberten wir gespannt mit.

Zur Erinnerung schossen wir dann noch ein tolles Gruppenfoto. Dank des lustigen Busfahrers ließen wir den Abend mit einer spaßigen und lauten Heimfahrt ausklingen.

Herzlichen Dank auch an Frau Haile, die diesen Abend für uns erst möglich gemacht hat.


Textbeitrag: Juliane Keck

„Winter ohne Schnee, schmelzende Gletscher und Polkappen, immer heißere Sommer: Unsere Erde kommt ins Schwitzen. Schuld daran ist der Mensch, sind wir.“ Diese Annahme war Ausgangspunkt für ein Projekt der Schülerinnen und Schüler der Klassenstufe 10 im Rahmen des NWA-Unterrichts (Naturwissenschaftliches Arbeiten).

Die aktuellen Auswirkungen der globalen Erwärmung sind vielfältig: Neben weltweit auftretenden Wetterextremen – wie z.B. Starkregen, Stürme oder Hitzewellen – schmelzen Gletscher und beide Polkappen, der Meeresspiegel steigt und gefährdet vor allem die Existenz von Inselgebieten und die bevölkerungsreichen Delta-Regionen weltweit.

Andererseits sind Klimaschwankungen in der Erdgeschichte nichts Neues. In den vergangenen 100 Jahren hat sich das Klima jedoch außergewöhnlich schnell und extrem verändert. Auslöser dieser bedrohlichen Entwicklung ist zweifellos der in den „westlichen Industrienationen entwickelte Lebensstil der Wohlstandsgesellschaft“, zu dem auch unsere Mobilitätserwartungen gehören.

Die ständig wachsende Weltbevölkerung verbrennt Kohle, Öl und Gas in großen Mengen und setzt damit das Treibhausgas Kohlendioxid (CO2) frei. Damit wird der natürliche Treibhauseffekt massiv verstärkt. Der große Energiebedarf ist aber nicht der einzige Klimakiller. Auch die moderne Landwirtschaft mit Intensivtierhaltung und hohem Einsatz von Kunstdünger belastet das Klima. Nicht zuletzt werden durch die rücksichtslose Abholzung von Urwäldern natürliche CO2-Speicher zerstört.

Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 10a haben sich im Rahmen der FiP (Fachinterne Überprüfung) mit diesen Themen intensiv beschäftigt und ihre Erkenntnisse produktiv umgesetzt. Im NWA-Unterricht wurde wöchentlich in Kleingruppen recherchiert und im Anschluss experimentiert, programmiert, gehämmert, geklebt und bemalt. Entstanden sind vielfältige und beeindruckende Modelle, die die komplexen Zusammenhänge des Klimawandels anschaulich erklären. Darüber hinaus werden auch die aktuellen Möglichkeiten für einen effektiven Klimaschutz aufgezeigt.

Einhellige Meinung der Schülerinnen und Schüler: „Auch wir können etwas zum Klimaschutz beitragen!“

Im Rahmen des interreligiösen Dialogs machten alle Fünftklässler am Donnerstag, den 05.12.2019 einen Ausflug nach Malmsheim und besuchten dort die katholische sowie die evangelische Kirche.


In der katholischen Kirche durften wir Herrn Pfarrer Pitzal beim Aufbau der Krippenausstellung zuschauen. Die Ausstellung steht in diesem Jahr unter dem Motto „Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen“.
Viele Schülerinnen und Schüler bekundeten ihr Interesse, die komplette Krippe später mit ihren Eltern nochmals zu besuchen.

Nachdem uns dort noch die „Königin der Instrumente“, die Kirchenorgel, erklärt und musikalisch vorgestellt wurde, ging es weiter zur evangelischen Kirche, wo uns eine sehr interessante Führung geboten wurde.

Im Anschluss besuchten wir noch den großen Malmsheimer Spielplatz. Dort wären alle noch gerne länger geblieben!

Am Mittwoch, den 04.12.2019 war es wieder so weit. Die Schulleitungen des Schulzentrums Rutesheim traten zum gemeinsamen Kochen für die Mensa-Gäste an, darunter auch Frau Bürgermeisterin Dornes und Erster Beigeordneter Herr Killinger.

Auf dem Speiseplan standen Maultaschen-Suppe und „Ofenschlupfer“
mit Vanillesoße. Mensaleiterin Frau Wagner und ihr Team sorgten für tatkräftige Unterstützung. Die traditionelle Aktion war ein voller Erfolg.
– Einhellige Meinung der Gäste: „Es war soooo lecker.“
Herzlichen Dank Frau Wagner und ihrem Mensa-Team für ihr tägliches Engagement.

Seit dem Jahr 2003 vergibt die Stadt Rutesheim den Schulsozialpreis. Er wird nach den vom Gemeinderat beschlossenen Richtlinien für ein herausragendes soziales Engagement im Schulleben verliehen. Am 10. Juli 2019 wurden Ina Zeltwanger und Annemarie Kern, beide Klassenstufe 9, für ihr beispielhaftes Wirken mit dem diesjährigen Schulsozialpreis gewürdigt.

Sie setzen sich seit Jahren in vielfältiger Weise und außerordentlich engagiert für die Belange der Schülerinnen und Schüler und – darüber hinaus – für die Entwicklung der Schulgemeinschaft ein. „Ina hat als Jugendbegleiterin die Cheerleading-AG ins Leben gerufen und leitet wöchentlich sehr zuverlässig und verantwortungsbewusst dieses Angebot. Darüber hinaus organisierte sie – gemeinsam mit Annemarie – zahlreiche imposante Auftritte der Cheerleader-Gruppe.“, sagt Rektorin Tamara Rumpelt in ihrer Laudatio. Durch ihr freundliches Auftreten und ihre engagierte Art sei es den beiden immer wieder gelungen, Mitschülerinnen und Mitschüler zu motivieren und so zu einem gelungenen Ergebnis zu führen. Zudem arbeiteten sie in den vergangenen eineinhalb Schuljahren zuverlässig und erfolgreich als Lerntutorinnen, indem sie Schülern aus der Unterstufe beim Lernen und bei den Hausaufgaben halfen.

Ferner sind Ina und Annemarie als sogenannte Lese-Scouts äußerst engagiert. Dieses Projekt basiert auf einer Initiative der "Stiftung Lesen“ und ist verbunden mit dem Ziel, bei möglichst vielen Kindern und Jugendlichen die Leselust zu wecken. Dabei fungieren Schülerinnen und Schüler, die gerne lesen, als Multiplikatoren (Lesescouts). „Im Monatsturnus habt ihr eure Begeisterung für das Lesen im Rahmen von Buchvorstellungen, Buchempfehlungen und andere Aktionen weitergegeben und so der Schule ein öffentlichkeitswirksames Alleinstellungsmerkmal verschafft.“, lobt die Rektorin die beiden.

Wir bedanken uns ganz herzlich für den besonderen Einsatz von Ina und Annemarie für die Schulgemeinschaft und wünschen ihnen für die Zukunft alles Gute.

Am 11. Juli 2019 um acht Uhr traf sich unsere Klasse, die 5b, am Haupteingang der Realschule Rutesheim. Gemeinsam mit den beiden Begleitpersonen, Herr, Klamer und Frau Huck, gingen wir zur Bushaltestelle. Mit ein paar Verzögerungen erreichten wir um 9:20 Uhr den Bauernhof „Philadelphia“ in Leonberg.

Unser Gastgeber dort, Herr Müller, begrüßte uns und informierte uns ausführlich über die „alternative“ Produktionsweise des Hofs. „Philadelphia arbeitet ohne Gentechnik.“ Herr Müller erklärte uns alles über die anstehende Getreideernte. Wir durften sogar Weizen probieren. Anschließend ging es dann raus auf’s Feld. Wir sammelten gemeinsam Futter für die Kühe. Mit ordentlich viel Grünzeug ausgestattet fütterten wir im Anschluss die Tiere, streichelten sie und machten Bekanntschaft mit ihrer rauen Zunge. Wir erfuhren, wie die artgerechte Tierhaltung auf dem Bauernhof organisiert ist. Bemerkenswert war für uns, dass die Ausscheidungen der Kühe in der Gärtnerei zum Düngen in der Gärtnerei eingesetzt werden.

Nach der Frühstückspause wurden wir in zwei Gruppen eingeteilt. Die erste Gruppe durfte mit Herrn Müller zum Melken gehen. Zunächst konnten wir an einem Melkmodell üben, wie man richtig melkt. Danach durfte jedes Kind beim Melken der Kuh helfen. Zur Überraschung durften wir auch die gemolkene Rohmilch probieren. Die zweite Gruppe konnte sich in der Zwischenzeit im Streulager austoben und spielen. Nach einer bestimmten Zeit wechselten die Gruppen, sodass jedes Kind eine Kuh melken durfte.

Gegen Ende unseres Bauernhofbesuchs schauten wir noch bei den Hühnern und Schweinen vorbei. Die Hühner waren so zutraulich, dass wir sie sogar füttern und streicheln konnten. Leider verging die Zeit viel zu schnell und wir mussten gegen halb eins den Bus zurück zur Schule nehmen. Um 13:20 Uhr kamen wir dort fröhlich und erschöpft wieder an.

Von: Viktoria Gröbel und Dejan Stavreski, Klasse 5b

Am Freitag, den 22. März 2019 trafen sich 19 fleißige Helferinnen und Helfer der Klasse 7b gemeinsam mit ihrem Klassenlehrer Herrn Dreja und einer Klasse der Theodor-Heuss-Schule im städtischen Bauhof. Ziel der Aktion: Wald- und Fahrradwege im Stadtgebiet Rutesheim von Müll zu befreien.

Nach einer kurzen Lagebesprechung machten sich die Schülerinnen und Schüler – begleitet von Bürgermeisterin Susanne Widmaier, Herrn Martin Killinger und dem städtischen Bauhofteam – zu verschiedenen Einsatzorten auf.  Ausgestattet mit Warnwesten, Greifzangen, Müllsäcken und Handschuhen sammelten die Aktionsteilnehmer in den zugeteilten Geländeabschnitten Müll ganz unterschiedlicher Art, der von Menschen achtlos in der Natur hinterlassen worden war und den der Wind in der Umgebung verteilt hatte. Insbesondere die gefundenen unzähligen Zigarettenstummel brachten die Helferinnen und Helfer zum Nachdenken.


Nach getaner Arbeit kehrten die Mülltrupps erschöpft, aber zufrieden wieder zum Bauhof zurück. Dort erholte man sich bei einer oder zwei Portionen Maultaschen, tauschte sich über sonderbare „Fundorte und Fundstücke“ aus oder verglich – mit einer gehörigen Portion Stolz – die Anzahl der gefüllten Müllsäcke.

Unser Dank gilt der Stadtverwaltung Rutesheim für die tolle Organisation.

Auf Einladung der Fachschaft Englisch – unter der Leitung von Realschullehrerin Lisa Beck – gastierte am Donnerstag, den 21. März 2019 das „White Horse Theatre“ an der Realschule Rutesheim.

Der Name dieser Gruppe bezieht sich auf das Symbol des weißen Pferdes auf der Flagge der angelsächsischen Einwanderer, die vor 1500 Jahren aus Deutschland nach England gekommen waren.
„White Horse Theatre“ ist ein pädagogisch ambitioniertes Tournee-Theater, das seit 1980 englischsprachige Theaterstücke in deutschen Schulen aufführt und inzwischen zu den europaweit größten professionellen Theatergruppen gehört.

Mit den beiden Theaterstücken „The Green Knight“ und „All's Well that Ends Well“ gelingt es dem Autor und Theaterdirektor Peter Griffith nicht nur die Zuschauer bestens zu unterhalten, sondern auch für die Beherrschung der fremden Sprache zu werben.


"The Green Knight"

Das Stück „The Green Knight“ für die Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 5 bis 7 erzählt eine Geschichte, die am Hof des legendären King Arthur spielt. Ein riesiger Ritter, in Grün gekleidet, fordert Arthurs Ritter zum Kampf heraus. Sir Gawain nimmt die Herausforderung an, bemerkt jedoch zu spät, dass der grüne Ritter ein Zauberer ist. So beginnt ein wildes Abenteuer durch finstere Wälder und eisiges Gebirge, bis sich am Ende die beiden Rivalen gegenüberstehen. - Wie kann der ehrenwerte Sir Gawain in dieser Welt der Tricks und Zauberei gewinnen?

Dieses Unterstufen-Stück orientiert sich am Vokabular, das den Schülerinnen und Schülern im Alter von 10 bis 13 Jahren zur Verfügung steht. Der klare Darstellungsstil, der das Publikum direkt anspricht, verstärkt die Komik im Gang der Handlung. So können selbst Schülerinnen und Schüler mit noch wenig Englischkenntnissen der Aufführung folgen.


"All's Well that Ends Well“

Auch das für die Klassenstufen 8 und 9 konzipierte Theaterstück „All's Well that Ends Well“ ist in einem an das Publikum angepassten Englisch verfasst und wird zudem pantomimisch untermalt. Der Inhalt ist zudem auf die möglichen Probleme der Schülerinnen und Schüler im Alter von 13 bis 16 Jahren zugeschnitten.

Diese neue Version der Shakespeare-Komödie „Ende gut, alles gut“ erzählt in modernem Englisch die Geschichte von Helena und ihrer Entschlossenheit, Bertram zu heiraten - egal welche Gefahren oder Schwierigkeiten sich ihr in den Weg stellen. - Werden Helena und Bertram letzten Endes zusammen sein? Falls ja, wird letztlich alles gut gehen?


Auch wenn die Schülerinnen und Schüler möglicherweise nicht jedes einzelne Wort im Bühnenstück verstanden haben, so ist es den engagierten jungen Darstellern des „White Horse Theatre“ auf jeden Fall gelungen, das Publikum der Realschule Rutesheim zu begeistern. Am Ende waren sich alle – fast ausnahmslos – einig, dass man diesen „Englischunterricht“ der besonderen Art erlebt haben muss.

"Ich habe Deutschland vergeben, ...“

Yosef Aron, ein 83-jähriger Überlebender des Holocaust, als Zeitzeuge zu Gast an der RSR

Annähernd 80 Schülerinnen und Schüler der 10. Klassen der Realschule Rutesheim hatten vor einigen Wochen die einzigartige Möglichkeit, die Verbrechen des Holocausts, des nationalsozialistischen Völkermords an den Juden, anhand der Schilderungen eines Zeitzeugen hautnah kennenzulernen.


Erschütternd und schockierend zu hören waren die Grausamkeiten und die Leiden, die Yosef Aron als Kind zugefügt wurden; andererseits beeindruckte der 83-jährige die Zuhörerschaft durch seinen Lebensmut und seine Frömmigkeit.

Die Deportation
1935 wurde Yosef Aron in Frankfurt am Main geboren. Als Fünfjähriger wurde er gemeinsam mit seiner Familie in ein Konzentrationslager deportiert. Hundegebell, das Geschrei „Juden raus!" und die Peitschenhiebe der SS gehören zu den schrecklichen Erinnerungen, als man Yosef und seine Geschwister barfuß und im Nachthemd aus dem Bett holte, um sie zusammen mit 1000 anderen Kindern in einen Viehwaggon zu verladen und abzutransportieren. Das war das letzte Mal, dass der Fünfjährige seine Mutter und acht seiner zehn Geschwister sah.

KZ Bergen-Belsen
"Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, was die mit uns gemacht haben," so leitete Yosef Aron seine Schreckens-Erfahrungen im KZ Bergen-Belsen ein: „Frühmorgens wurden wir zum Appell gerufen, mussten stundenlang stehen. Wer Müdigkeit zeigte, erhielt eine Kugel in den Kopf. "Wir wollen keine müden Leute“, hieß es.“ Als Yosef einmal eine Kartoffel fand und er vom KZ-Personal dabei erwischt wurde, wie er sie mit anderen teilen wollte, schrie man ihn an: "Die Kartoffel gehört nicht den Juden, sie gehört dem deutschen Volk!". Zur Strafe prügelte man ihn, im Folterkeller riss man ihm die Fußnägel aus. Mit blutenden Füßen und unsäglichen Schmerzen wurde der fünfjährige Yosef schließlich ins Lager zurückgebracht, wo seine Leidensgenossen ihn warnten: "Wenn du liegenbleibst, wirst du erschossen.“ Yosef trotzte der unsäglichen Grausamkeit seiner Bewacher. Einziger Antrieb war sein Überlebenswille. Durch die Folter geschwächt galt er aber irgendwann nicht mehr als arbeitsfähig und wurde von einem Todeskommando für die Gaskammern in Auschwitz bestimmt.

Völlig überraschend wurden er und vier weitere Jungen jedoch noch einmal zurückbehalten. Die damit verbundene Hoffnung dauerte nur kurz. Das, was dann begann, bezeichnet Yosef Aron als „die schlimmste Hölle“. Tagelang wurde er in einer abgelegenen Lagerhütte von den KZ-Aufsehern ausgepeitscht. Während fünf Jahren wurden die Kinder mehrmals am Tag von deutschen Soldaten vergewaltigt. "Eine Chance, sich zu wehren, gab es nicht. - Ich war letztlich wie ein wildes Tier." Drei der fünf Jungen überlebten diese verbrecherischen Quälereien nicht.

Leben nach dem KZ
Yosef Aron gab auch eine Antwort auf die unausgesprochene Frage, wie ein Leben nach dem Konzentrationslager überhaupt denkbar und möglich ist. Tatsächlich haben die Erfahrungen des Holocausts viele Überlebende daran gehindert, weiter an Gott zu glauben. Yosef Aron hat die gegensätzliche Erfahrung gemacht. Für ihn war es gerade der Gottesglaube, den er in seinem Elternhaus mitbekommen hatte, der ihm half, den KZ-Terror zu überstehen. Immer wieder suchte er Kraft im Gebet. In seinem langen Leben machte er einige Male die erstaunliche Erfahrung, dass sein Gebet erhört wurde.

Eine Leidensgeschichte
Am 15. April 1945 befreiten britische Soldaten die Gefangenen des KZs Bergen-Belsen. Mehr tot als lebendig spürte der zehnjährige Yosef, wie ihn jemand auf den Arm nahm und wegtrug; damals wog er noch 11 Kilo. Seine Leidensgeschichte war mit der Befreiung noch nicht beendet. Der Junge war psychisch absolut verstört. Im KZ hatte er fünf Jahre lang mit niemandem gesprochen. Lesen und Schreiben hatte er nie gelernt. Zudem begann für ihn eine sechsjährige Odyssee, in der er von einem Land in ein anderes abgeschoben wurde. Schließlich landete er in Palästina, wo er monatelang obdachlos auf der Straße lebte. Nach neun Monaten nahm sich die israelische Familie Rubinstein seiner an, die ihm auch dabei helfen wollte, eine Arbeit in einem Café zu bekommen. Der befreundete Cafébesitzer lehnte ab: "Was soll ich mit so einem abgemagerten und kranken Menschen machen? Den kann ich nicht brauchen!" Von dieser Mitleidlosigkeit zutiefst verletzt, wandte sich Yosef Aron schreiend an Gott: "Was soll ich tun? Zeig mir einen Weg, Gott!"
Und Yosef erlebte – wie er erzählt – ein echtes Wunder.

Ein Wunder
Er erlebte, wie ihn ein Blitz durchzuckte, er spürte Wärme und Ruhe. Von einem Moment auf den anderen konnte er lesen, schreiben und rechnen. So verändert stellte er sich erneut dem Cafébesitzer vor, der ihn spontan als Kellner einstellte. Yosef Aron war der geborene Kellner. Mit Hingabe übte er seinen Beruf bis ins hohe Alter aus. Heute genießt er seinen Lebensabend in einem Heim für Holocaust-Überlebende der Internationalen Christlichen Botschaft Jerusalem (ICEJ).

"Ich habe Deutschland vergeben.“
Ganz besonders beeindruckt waren die Zuhörerinnen und Zuhörer der Realschule Rutesheim schließlich, als Yosef Aron aus tiefster Überzeugung bekannte: "Ich habe Deutschland vergeben. Das war Gottes Wunsch an mich." Dass diese Aussöhnung von Yosef Aron gelebt wird, das konnten die Anwesenden spüren. Er ist heute gegenüber uns Deutschen ohne irgendeine Spur von Bitterkeit. Seine überzeugende Botschaft: "Man muss immer vergeben können und das tue ich auch." Zu seinem 70. Jahr in Israel wünscht sich der Holocaust-Überlebende Yosef Aron vor allem Frieden für Israel und Palästina.